Tyrann oder Wunderkind?
St. Galler Tagblatt - Region Rheintal vom Freitag, 11. März 2005
Unterschiedlicher könnten sie nicht sein, die beiden Erziehungsberaterinnen Eva Brücker und Jirina Prekop. Während die Psychologin Prekop schwierige Kinder schon mal als "kleine Tyrannen" bezeichnet, sieht Indigo-Beraterin Brücker in ihnen eine Art Wunderkinder mit einem spirituellen Auftrag. Die beiden Frauen referieren demnächst in Oberriet und Altstätten.
Sie kommen ins Rheintal, um Eltern zu beraten. Was führt Sie hierher?
Jirina Prekop: Da mich die Leute durch meine Bücher kennen, werde ich jährlich im Schnitt 280-mal zu Vorträgen eingeladen. Ich referiere in verschiedenen europäischen Ländern. Im Rheintal war ich bereits in Kriessern und in Buchs.
Eva Brücker: Ich wurde von art-to-be in Altstätten eingeladen, um Vorträge über Indigo-Kinder zu halten. Das Interesse an Indigos wächst, und die Leute finden mich oft durch eine Internetrecherche. Die Vorträge in Altstätten sind mit bis zu 50 Leuten jeweils gut besucht.
Was wollen Eltern von Ihnen wissen?
Prekop: Weil die Kinder immer mehr aus den Fugen sind, sind viele Eltern verunsichert und stellen banale Alltagsfragen wie "Was soll ich tun, damit mein Kind mich nicht schlägt?". Eltern brauchen ein Wissen darüber, wie und vor allem dass man Kinder erzieht.
Brücker: Oft sind Familien auch in Not, zum Beispiel dann, wenn ein Kind nicht mehr in die Schule gehen will oder sich sehr stark abkapselt.
Ein häufiges Problem sind hyperaktive Kinder. Welchen Rat geben Sie diesen Eltern?
Prekop: Unruhe ist oft auch die Folge erzieherischer Probleme; zum Beispiel dann, wenn Eltern selber noch wie Kinder denken. Diesen Eltern rate ich, Probleme nicht zu delegieren, Konflikte auszutragen, sich in dieser vermeintlich perfekten Welt Fehler zu erlauben und sich trotzdem selbst zu lieben. Kinder wollen erwachsene Eltern, nicht kindliche.
Warum denken Eltern wie Kinder?
Prekop: Weil sie die Fehler ihrer Eltern nicht akzeptieren können. Sie wollen alles anders, alles besser machen und benehmen sich dabei wie Kinder in der Trotzphase. Erst wenn Eltern sich mit ihren Eltern versöhnt haben, sind sie erwachsen.
Hyperaktivität kann auch ein Zeichen für ein Indigo-Kind sein. Können Sie erklären, was ein Indigo-Kind ist?
Brücker: Das sind spirituell hoch entwickelte Kinder, die uns den Beginn eines neuen Zeitalters anzeigen. Das Zeitalter der Wissenschaft wird nun allmählich durch das Zeitalter des geistigen Bewusstseins abgelöst. Es ist weniger kopf- und dafür mehr herzlastig, mehr intuitiv.
Indigos gelten, um nur einige wenige Merkmale zu nennen, als überdurchschnittlich begabt, hellsichtig, sensitiv, rebellisch. Wollen Kinder so anders sein?
Brücker: Nein, sie wollen keine Königskinder sein, wie sie oft auch genannt werden. Sie wollen und sollen sich in die Gesellschaft integrieren, was jedoch durch ihre erweiterten Fähigkeiten schwierig sein kann. Es ist unsere Aufgabe, uns mit ihnen auseinanderzusetzen.
Indigo-Kindern soll man keine Grenzen setzen. Warum?
Brücker: Das ist leider ein weit verbreiteter Irrtum. Eltern, die dies behaupten, suchen lediglich eine Entschuldigung für das Missbenehmen ihres Kindes.
Prekop: Kinder brauchen unbedingt Grenzen. Sie müssen wissen, was gut oder schlecht ist. Das ist doch auch der Sinn unseres letztlich auf Polarität ausgerichteten Wertesystems. Wollen wir nicht lieb- und herzlos werden, liegt es nur an uns, dieses zu bewahren.
Interview: Maya Schmid-Egert